Europäisches Institut für Internationale Wirtschaftsbeziehungen (EIIW)

 

European Institute for International Economic Relations

 

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Paul J.J. Welfens

 

Transatlantisches Freihandelsabkommen EU-USA: Befunde zu den TTIP-Vorteilen und Anmerkungen zur TTIP-Debatte

 

Summary:

The expected extent of the long-term benefits of TTIP will initially be presented from the combined perspectives of trade, direct investment and innovation dynamics. The advantages of TTIP are substantially higher than the CEPR study, completed on behalf of the European Commission, suggest, however the positive income effects are clearly less significant than the Ifo-study for the Federal Government of Germany (2013) maintains; the EIIW analysis also presents a different outlook with respect to wage structure effects as that asserted by Ifo (for the Bertelsmann Foundation). According to this analysis, the benefit of TTIP for the EU as a whole amounts to ca. 2% of Gross Domestic Product, for Germany in particular these benefits are estimated at 2-3% of GDP and an additional real growth bonus cannot be ruled out: a 2% increase in income would mean that TTIP could bring an additional €60 billion in income for Germany alone, or €278 billion for the EU, which could be even greater as a result of transatlantic multiplicator effects. The wages of high-skilled workers will, in the event of an EU-US Free Trade Agreement – with a resulting reduction in barriers to transatlantic trade and investment – increase, on a temporary basis, slower than wages for low-skilled workers; in the longer term, however, the wages of high-skilled labour will increase more strongly, as rising levels of direct investment and a growing intensity of innovation by businesses will lead to a rising demand for well-qualified employees. As an aside, the anti-TTIP book by Thilo Bode – economist and head of the NGO foodwatch – can be regarded as a good example of unsound economic analysis of TTIP which is lacking a solid foundation of fundamental rationale. It would be advisable that actors in the field of economic policy undertake measures which support the TTIP project.

Zusammenfassung:

Die zu erwartende Höhe der langfristigen Vorteile von TTIP wird erstmals aus einer Verbindung von Handels-, Direktinvestitions- und Innovationsdynamik präsentiert. Die TTP-Vorteile sind beträchtlich höher als die CEPR-Studie für die Europäische Kommission sagt, aber die positiven Einkommenseffekte sind deutlich geringer als in der Ifo-Studie für die Bundesregierung (2013) behauptet; auch bei den Lohnstruktureffekten ergibt die EIIW-Analyse eine andere Sicht als Ifo (für Bertelsmann-Stiftung). Die Vorteile aus TTIP für die EU werden gemäß dieser Analyse mit ca. 2 % des Bruttoinlandsproduktes angesetzt, für Deutschland dürften die Vorteile bei 2-3% liegen und auch ein echter Wachstumsbonus ist nicht auszuschließen: 2% Einkommensplus heißt, dass es bei TTIP um rund 60 Mrd. € Einkommensplus für Deutschland und für die EU um ein Plus von ca. 278 Mrd. € geht, das durch transatlantische Multiplikatoreffekte noch etwas größer werden dürfte. Die Löhne der qualifizierten Arbeitnehmer werden bei einem EU-USA-Freihandelsabkommen – mit Abbau von transatlantischen Handels- und Investitionsbarrieren - vorübergehend langsamer steigen als die der Ungelernten; langfristig aber stärker, da erhöhte Direktinvestitionen und eine Innovationsintensivierung die seitens der Unternehmen entfaltete Nachfrage nach Fachkräften relativ ansteigen lassen wird: Deutschlands Fachkräftemangel-Problem verschärft sich von daher langfristig, für die Politik stellt sich die Aufgabe, die absehbaren Herausforderungen im Bereich Bildung und Weiterbildung frühzeitig strategisch anzugehen. Es sind ergänzende empirische TTIP-Analysen notwendig, insbesondere zur näheren Ausleuchtung der Verbindung von Handels-, Direktinvestitions- und Innovationseffekten. Es gibt einen klaren Bedarf, bei TTIP ein aus EU-Sicht solides Verhandlungsergebnis zu erreichen, das Kritikpunkte aus der bisherigen Debatte sorgfältig aufnimmt; dabei sollte ein Investorschutzkapitel nur am Rande eine Rolle spielen, wohl aber sollten transatlantische Investitionsbarrieren deutlich vermindert werden. Im Übrigen wird das Anti-TTIP Buch von Thilo Bode – Ökonom und Geschäftsführer Foodwatch – als solides Beispiel für unsolide ökonomische TTIP-Analyse eingestuft; mit Mangel an elementarer Logik. Seitens der Wirtschaftspolitik sind Flankierungsmaßnahmen zu TTIP empfehlenswert. Ein sorgfältig verhandeltes TTIP-Paket kann wesentliche ökonomische Vorteile für die EU, die USA und auch für Drittländer erbringen und als Signal der führenden westlichen Demokratien wirken bzw. demokratische Entwicklungen weltweit stärken. Ohne TTIP besteht ein erhebliches Risiko, dass längerfristig die Standards Chinas für Europa prägend sein werden, denn China ist einkommensmäßig seit 2015 nach Kaufkraftparitäten als globale Nr. 1 einzustufen. Ein solides TTIP-Paket ist ein große historische Chance gerade auch für Deutschland bzw. die Europäische Union.

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